Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) fordert verbindliche Testung auf Entwicklungsneurotoxizität

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schlägt vor, die Grenzwerte für zwei Insektizide aus der Klasse der Neonikotinoide - Acetamiprid und Imidacloprid - vorsorglich zu senken bis weitere Forschungsergebnisse zur entwicklungsneurotoxischen Wirkung dieser Substanzen vorliegen. Grund hierfür ist der Verdacht, dass diese Pflanzenschutzmittel die Entwicklung des menschlichen Gehirns beeinträchtigen können.
 

Die Behörde fordert, die Testung auf Entwicklungsneurotoxizität (DNT) in Zukunft beim Zulassungsverfahren für Pestizide verbindlich vorzuschreiben. Dies ist in den USA bereits der Fall; allerdings werden die Substanzen dort nur in Versuchen an Ratten geprüft, was sehr zeit- und kostenintensiv ist. Daher ist die Forschung auf der Suche nach alternativen Testmethoden zum Tierversuch, durch die das Gefährdungspotenzial von Chemikalien möglichst sicher vorhergesagt werden kann. Dafür kommen zum Beispiel Zellkulturen vom Menschen oder möglicherweise auch Nagern infrage, wie der am IUF von Prof. Ellen Fritsche entwickelte 3D-Neurosphärentest, für dessen Validierung das Bundesforschungsministerium kürzlich 1,2 Mio. € zur Verfügung gestellt hat.
 

Im Januar 2014 findet an der Universität Zürich eine zweitägige Tagung statt, bei der mögliche neurotoxikologische Methoden zur Risikoabschätzung diskutiert werden sollen (nähere Informationen hier). Bis zum Jahresende werden dann verschiedene Forschergruppen - darunter auch das IUF in Düsseldorf - eine von der EFSA finanzierte, systematische Literaturrecherche durchführen, die der vollständigen Erfassung von derzeit verfügbaren Alternativmethoden zur Testung auf Entwicklungsneurotoxizität dient. Diese umfassen zell-basierte in vitro-Modelle, Modellorganismen in vivo sowie computer-basierte Methoden.
 

Da die USA momentan auf dem Gebiet von Alternativkonzepten zur signalwegsbasierten Risikoabschätzung führend sind, wird derzeit von Seiten der EU auch auf dem Gebiet DNT eng mit der amerikanischen Umweltbehörde EPA zusammengearbeitet. So erhält das IUF beispielsweise ab 2014 zusammen mit der University of California, Davis, Fördergelder von der US-EPA, um verbesserte Strategien zur Bewertung von Chemikalien, die toxisch für das sich entwickelnde Gehirn sind, zu erforschen.